Wirbelsäulenerkrankungen

Ein großer Teil der Bevölkerung leidet im Laufe des Lebens unter Nacken- oder Rückenbeschwerden. Als Neurochirurgen können wir die Schmerzursache möglicherweise genau herausarbeiten und Ihnen so gezielt helfen. Zu Ihrer Information haben wir auf dieser Seite einige häufige Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten zusammengestellt.

Die Wirbelsäule

Die menschliche Wirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln, zwölf Brustwirbeln und fünf Lendenwirbeln. Der Lendenwirbelsäule schließen sich das Kreuzbein und das Steißbein an. Die einzelnen Wirbelkörper sind über Bänder und die sogenannten Bandscheiben miteinander verbunden. Von hinten schützen jeweils zwei kleine Facettengelenke die Wirbelsäule vor übermäßigen Rotations- und Scherbewegungen. Die Wirbelkörper und Wirbelbögen bilden einen Kanal. Dieser „Spinalkanal“ beinhaltet das Rückenmark, das sich von Halswirbelsäule bis in die obere Lendenwirbelsäule erstreckt. Aus jedem Wirbel treten zwei paarige Nervenwurzeln aus, die Signale über Körperfunktionen vom Gehirn zu einzelnen Körperteilen oder den Extremitäten und zurück transportieren. Die Austrittspunkte der Nervenwurzeln stehen in enger nachbarschaftlicher Beziehung zum Faserring der Bandscheiben und zu den Facettengelenken.

Bandscheibenvorfall Lendenwirbelsäule

Mehr als die Hälfte aller Menschen leiden, ohne es zu wissen an einer Vorwölbung einer oder mehrer Bandscheiben. Erkrankungen der Bandscheiben sind folglich sehr verbreitet. Zu den Risikofaktoren gehören neben einer möglichen persönlichen Veranlagung auch das Körpergewicht, Rauchen und schwere körperliche Arbeit. Ein Austritt von Bandscheibengewebe in den Wirbelkanal kann in seltenen Fällen so ungünstig liegen, dass direkter Druck auf Nervenfasern ausgeübt wird. Dieser Druck äußert sich meist in Schmerzen, die dem Versorgungsgebiet eines Nerves entsprechen, zum Beispiel in Form von Ausstrahlung in das Bein. Wenn der Druck des Bandscheibenvorfalls hoch genug ist, um die Funktion des Nerves zu beeinträchtigen kommt es zusätzlich zu sogenannten „neurologischen Ausfällen“. Hierzu zählen eine Taubheit, Schwäche oder auch die Unfähigkeit Urin- oder Stuhlabgang zu kontrollieren. Je nach Schweregrad der Symptome kann es zur Vermeidung von Folgeschäden, Lähmungen oder Funktionseinschränkungen notwendig sein, den Bandscheibenvorfall operativ zu entfernen. In den allermeisten Fällen ist allerdings eine konservative Behandlung ausreichend um eine Beschwerdebesserung zu erreichen.

Minimal-invasive Bandscheiben-Operation

Die Operation des Bandscheibenvorfalls in der Lendenwirbelsäule erfolgt in Vollnarkose. Hierbei wird über einen ca. 3 cm messenden Hautschnitt mit Hilfe eines Operationsmikroskops der Bandscheibenvorfall entfernt. In geeigneten Fällen erfolgt die Entfernung des Bandscheibenvorfalls über ein Endoskop. Durch die Nutzung minimalinvasiver Technik schonen wir das Muskelgewebe und verkürzen die Erholungsphase. Je nach Krankheitsverlauf und Konstitution können Sie bereits am zweiten Tag nach der Operation nach Hause entlassen werden.

Bandscheibenoperation

Abb.2: Bandscheibenoperation mit Hilfe eines Endoskops

Abb.3: Beispiel einer Anwendung endoskopischer Technik während einer Bandscheibenoperation

Bandscheibenvorfall Halswirbelsäule

Insbesondere die hohe statische Beanspruchung der Halswirbelsäule bei sitzenden Tätigkeiten - zum Beispiel bei Arbeiten am Computer - steigert unsere Anfälligkeit für Nackenbeschwerden. Das Vorliegen von Nackenschmerzen bedeutet glücklicherweise noch lange nicht, dass ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule vorliegt. Zunächst kommen Muskelverspannung oder Abnutzungserscheinungen an den Zwischenwirbelgelenken in Betracht, die mit Bewegungsübungen und Anpassung des Lebensstils in den Griff zu bekommen sind. Ausstrahlende Schmerzen, zum Beispiel in die Schultern oder den Arm lassen jedoch eine Bedrängung einer Nervenwurzel in der Halswirbelsäule vermuten. Bei Taubheitsgefühl oder Schwäche eines Arms erhärtet sich dieser Verdacht häufig. Eine Kernspintomographie oder ein Computertomogramm liefern dann Gewissheit über die Diagnose „zervikaler Bandscheibenvorfall“. Ähnlich dem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule ist die Behandlung in erster Linie konservativ. Mit Medikamenten oder gezielten Infiltrationen kann häufig die akute Schmerzphase überwunden werden. 

Minimal-invasive Bandscheiben-Operation

In einigen Fällen jedoch kann mit der konservativen Therapie keine Besschwerdelinderung erzielt werden, so dass die operative Entfernung des Bandscheibengewebes in Betracht gezogen werden muss. Wir bieten die gesamte Bandbreite der etablierten Bandscheibenoperationen an. Je nach Art des Bandscheibenvorfalls und Ihrer Beschwerden können wir uns Ihren Bedürfnissen individuell mit der jeweiligen Operationstechnik anpassen. Hierzu zählen sowohl die minimalinvasive, mikrochirurgische Freilegung der Nervenwurzel (Frykholm-Operation), der Bandscheibenersatz mit einer Bandscheibenprothese (Arthroplastie) oder aber der nicht bewegliche Bandscheibenersatz mittels eines sogenannten „Cage“.

Bandscheibenvorfall

Abb.4: Kernspintomographische Aufnahme eines Bandscheibenvorfalls (blauer Pfeil) zwischen dem vierten und fünften Halswirbel und Einengung des Rückenmarks.

Stenose Lendenwirbelsäule

Um unsere Beinmuskulatur beim Gehen zu steuern benötigen die aus dem Rückenmark austretenden Nerven eine ausreichende Durchblutung. Die im Alter häufiger auftretende Verengung des Lendenwirbelkanals führt zu einer Minderdurchblutung der sich darin befindenden Nervenwurzeln und somit zu einer Einschränkung der Gehstrecke. Betroffene Menschen klagen beispielsweise über in die Beine einstrahlende Schmerzen, die sich nach Vornüberbeugen und kurzer Pause wieder bessern. Mittels bildgebender Verfahren wie beispielsweise der Kernspintomographie kann die Diagnose der „Spinalkanalstenose“ oder „Lumbalkanalstenose“ gestellt werden. Anders als beim Bandscheibenvorfall ist die Erfolgsaussicht bei der konservativ behandelten Stenose im Lendenwirbelbereich gering. Somit wird hier häufig zu einer Operation geraten. Ziel der Operation ist die Entfernung von überschießendem Band- und Knochengewebe, somit eine Entlastung oder „Dekompression“. Wir führen die Studien zufolge schonendste Art der „Dekompression“ durch. Diese bedient sich mikroskopischer Technik und erfolgt unter kompletter Erhaltung der Muskulatur auf einer Seite der Wirbelsäule. Das Komplikationsrisiko für solche Eingriffe liegt in der Regel deutlich unter dem Risiko einer durch die Stenose eingeschränkten Beweglichkeit und der damit verbundenen gesundheitlichen Belastung.

Stenose

Abb.5: Kernspintomographie der Lendenwirbelsäule mit Nachweis einer hochgradigen Verengung des Wirbelkanals zwischen dem zweiten und fünften Lendenwirbel.

Stenose Halswirbelsäule

Die Verengung des Wirbelkanals in der Halswirbelsäule betrifft zehn Prozent der Menschen im Alter von über 70 Jahren. Die Anzeichen der Erkrankung werden häufig übersehen und auf das Alter oder andere Erkrankungen der Patienten geschoben. Hierzu gehören Gangschwierigkeit sowie Gefühlsstörungen in Händen und Füßen. Ferner bemerken Patienten eine zunehmende Unfähigkeit feinere Arbeiten, beispielsweise mit den Fingern zu verrichten. Diese Krankheitsanzeichen werden durch eine Einengung des Rückenmarks auf Höhe der Halswirbelsäule hervorgerufen. Ursächlich für die Einengung sind Verschleißerscheinungen der knöchernen Halswirbelsäule, aber auch der Bandscheiben. Ähnlich wie bei der Stenose im Lendenwirbelbereich ist ein abwartendes Verhalten bei beginnenden Funktionsstörungen oftmals nicht erfolgsversprechend. Somit steht die Operation zur Entlastung des Rückenmarks zuvorderst in der Liste der therapeutischen Optionen. Die Risiko-Nutzen Abwägung hinsichtlich Art und Ausmaß einer Operation erfolgt für jeden Patienten individuell. Operativ bedienen wir uns mikroskopischer Techniken und streben funktions- und stabilitätserhaltende Methoden zur Wahrung von Muskel- und Bandapparat an. In Einzelfällen erfolgt zusätzlich zur Freilegung des Rückenmarkskanals auch eine Versteifung, die instabile Anteile der Wirbelsäule mittels Titanelementen fixiert, um eine krankhafte Überbeweglichkeit einzudämmen.

Stenose

Abb.6: Kernspintomographie der Halswirbelsäule mit Nachweis einer hochgradigen Verengung des Wirbelkanals zwischen dem vierten und fünften Halswirbel (Pfeil).

Instabilität/Wirbelgleiten

Der Begriff des Wirbelgleitens umfasst ein krankhaftes Abrutschen eines Wirbels gegenüber einem Nachbarsegment. Eine solche über das gesunde Maß hinausgehende Mehrbeweglichkeit kann verschiedene Ursachen haben. Teils angeboren, teils als Folge eines Unfalls oder chronischer Überbelastung, führt das Wirbelgleiten häufig zu einer Einengung von Nervenwurzeln, die sich in starken bewegungsabhängigen Schmerzen manifestiert. Nach einer ausgiebigen Diagnostik und Ausschöpfung konservativer Maßnahmen ist in einigen Fällen eine Operation unumgänglich. Das Prinzip der operativen Versorgung von Gleitwirbeln besteht in der chirurgischen „Verblockung“, auch Spondylodese genannt. Hierbei wird eine Art Titangerüst konstruiert, das zwei oder mehr Wirbelkörper miteinander verbindet. Somit wird ein Abrutschen und das Berühren von Nervenwurzeln verhindert. Es handelt sich hier um eine aufwändige Operation, bei der wir uns einer Reihe zusätzlicher technischer Hilfsmittel bedienen. Hierzu gehören zum Beispiel computerisierte und roboterisierte Navigationssysteme, deren Millimeter-genaue Präzision eine optimale Lage des implantierten Materials gewährleistet.

Wirbelgleiten

Abb.7: Links: Nachweis eines Wirbelgleitens zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbelkörper. Das Abrutschen des oberen Wirbelkörpers nach vorne (Pfeil) ist Ausdruck der segmentalen Instabilität. Rechts: Diese dreidimensionale Rekonstruktion eines Operationsergebnisses zeigt die erfolgreiche Stabiliserung des vierten und fünften Lendenwirbels mittels Pedikelschrauben (blau).

Iliosakralgelenks-Syndrom

Häufig ist es schwierig, die genaue Ursache für Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule zu identifizieren. Bei rund einem Fünftel solcher Patienten die Schmerzursache in der Gelenkfuge zwischen Darmbein und Kreuzbein (Iliosakralgelenk, ISG). Beschwerden in dieser Region werden unter dem Überbegriff ISG-Syndrom zusammengefasst. Dieses ist zwar bildgebend nicht zu erkennen, kann aber mithilfe mittlerweile standardisierter klinischer Untersuchungsmethoden erkannt werden. Ein klassischer Hinweis für ein ISG-Syndrom ist zum Beispiel der Druckschmerz unterhalb und leicht seitlich der Lendenwirbelsäule. Für das ISG-Syndrom stehen mittlerweile eine Reihe neuer Behandlungsmethoden zur Verfügung. Wir bieten konservative und minimal-invasive operative Methoden zur Behandlung des chronischen ISG-Syndroms an.

Iliosakralgelenke

Abb. 8: Das Iliosakralgelenk verbindet das Becken mit dem Kreuzbein (Mitte) und trägt somit die Wirbelsäule (Quelle: SI-Bone Deutschland GmbH).

Innovative Operationsmethoden

Wenn wir eine Operation empfehlen, legen wir Wert darauf, diese so schonend wie möglich durchzuführen.

3D-Mikrochirurgie und Endoskopie

Wir legen Wert auf die Nutzung modernster Technologien zur Sicherung des Operationserfolges. Die 3D-Operationsmikroskopie hilft uns dabei, wichtige Nerven und Bandstrukturen vergrößert darzustellen. Mit Mikro-Instrumenten kann der Chirurg so auch über kleine Hautschnitte operieren. Sofern die individuellen Gegebenheiten es erlauben ist es möglich, durch das Einbringen eines Endoskops (stabförmiges Instrument mit hochauflösender Kamera) den Wirbelkanal detailgenau darzustellen.

Minimalinvasive Roboter-gestützte Stabilisierung

Wenn eine Stabilisierung der Wirbelsäule mit Titanschrauben notwendig ist, kann dies heutzutage oft ohne großen Hautschnitt über eine minimalinvasive Technik erfolgen. Hierbei werden die einzelnen Schrauben über einzelne Schnitte und der Verbindungsstab über dieselben kleinen Schnitte eingebracht. Hierbei machen wir uns das Robotersystem zunutze mit dessen Hilfe die Hautschnitte geplant und die Schrauben entsprechend einer präoperativen Planung implantiert werden können.

Behandlung von Knochenbrüchen (Kyphoplastie)

Die Osteoporose ist einer der Hauptgründe für Wirbelbrüche. Die Stabilisierung von Wirbelbrüchen mit Hilfe von Zementeinspritzung hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. In einer kurzen Operation kann ein Wirbelkörper behandelt und die oft immobilisierenden Schmerzen gelindert werden. Die Patienten können am Tag nach der Operation entlassen werden.

Wirbelsäulen OP

Abb. 9: Dieses Robotersystem zeigt dem Chirurgen mit der Kanüle (Pfeil) während einer komplexen Wirbelsäulenoperation die ideale Implantatlage an.